WER WAR WILLY BAUER?


Die Erhaltung der Natur war ihm wichtiger als 10 oder 20 Jahre länger zu leben.

Ein Nachruf zum Tode von Willy Bauer 1991

Es ist unmöglich, nur annähernd vollständig die Leistungen von Willy Bauer zu beschreiben. Mit einer Auflistung seiner Erfolge kann man Willy Bauer nicht gerecht werden, stand doch dahinter eine herausragende Persönlichkeit, deren Sinnen und Trachten auf eine Werteverschiebung in der Gesellschaft zugunsten des Naturschutzes gerichtet war. Zahlreich und vielfältig sind seine Initiativen, Reden, Aktionen (darunter auch der Widerstand an der Startbahn West) und Entscheidungen, welche dringend, mit leisen und lauten Rufen, mit Überrumpelungstaktik, mit Drohungen, Überredungen und Überzeugungsarbeit, unter Nutzung aller Mittel, stets mit äußerster Konzentration nur auf ein Ziel ausgerichtet waren: auf die Entwicklung und Ausgestaltung des Naturschutzes im weitestgehenden Sinn und die Wirksamkeit seines Verbandes, in welchem er ein Vierteljahrhundert gewirkt und den er maßgeblich gestaltet hat.


Willy Bauer war Gründungsmitglied der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft Hessen, die 1964 von hessischen Ornithologen ins Leben gerufen wurde und aus der 1972 die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. hervorging. Zwischen 1980 und bis zu seinem Tod 1991 war er deren Vorsitzender. Er hat diese Gesellschaft maßgeblich geprägt und energisch geführt. Die HGON wurde in diesen Jahren zum Organ des praktischen Naturschutzes und der wissenschaftlichen Vogelkunde in Hessen.

Kein Wunder, dass Willy Bauer im Laufe der Jahre zahlreiche Funktionen übernahm, übernehmen musste:


Sein Engagement für den Naturschutz machte nicht an den Grenzen Hessens oder Deutschlands halt, er war Mitglied der Arbeitsgruppe 'Griechenland' der Internationalen Union für Naturschutz seit 1969 und Initiator der Ausweisung des Nationalparks Prespa sowie der Nationalparke Evros und Rhodopren.

Für seine ungezählten Naturschutzaktivitäten erhielt Willy Bauer mehrere Auszeichnungen. Verdienstkreuze, so ehrenvoll sie sind, können nicht annähernd vermitteln, welche Erfolge diesem 'Vorarbeiter' für den hessischen Naturschutz zu verdanken sind. 1976 erhielt Willy Bauer aus der Hand von Ministerpräsident Börner das Verdienstkreuz am Bande. 1990 wurde ihm im Rahmen der Festveranstaltung für das 25-jährige Bestehen der HGON das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch Frau Staatsministerin Irmgard Reichhard verliehen.

Es gibt nur wenige Menschen, die eine für die Gemeinschaft so eminent wichtige Aufgabe so konsequent und so nachhaltig betrieben haben. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Abteilungsleiter der Metallgesellschaft AG wohlgemerkt! Der private Freiraum wurde so gut wie aufgegeben; Freizeit wurde ganz dieser Aufgabe geopfert, unermüdlich und unverdrossen hat er - manchmal mit Sanftmut, manchmal mit Härte und Unnachgiebigkeit - andere motiviert und zu Leistungen angespornt und getrieben. Dabei hat er sich nie selbst geschont und seine ihm unermüdlich unterstützende Frau Agnes ebensowenig.